Die Zeichen sind überall - man muss sie nur erkennen. Vielleicht geht es Euch ja ganz ähnlich: Die Freundin interessiert sich für alles multikulturelle. die Neffen sind Veganer und die Eltern planen, sich auf ihrem Dach eine Solaranlage installieren zu lassen. Der Müll wird getrennt und nach Möglichkeit ganz vermieden und immer mehr Bio-Produkte landen im Kühlschrank. Sind wir wirklich schon
soweit?    Denken wir global?
 
Im Juli 2008 kletterte der Ölpreis auf 147 Dollar pro Barrel, die Inflation und die Preise schnellten weltweit in die Höhe und der mit nahezu religiösem Eifer angebetete globale Wirtschaftmotor verstummte. Was war geschehen?
Die wachsende Nachfrage nach fossilen Rohstoffen war das gar nicht so neue Problem - eine Nachfrage, die längst nicht mehr nur von entwickelten Industrieländern ausgeht, sondern auch und vermehrt von China, Indien und anderen aufstrebenden Wirtschaftsnationen. Als das Angebot die Nachfrage erstmals nicht mehr ganz deckte, kollabierte die globale Wirtschaft kurzerhand - der Zusammenbruch der Finanzmärkte zwei Monate später war bloß eine Nebenwirkung dieses Ereignisses.
Wir wissen ja nun schon seit geraumer Zeit, dass die fossilen Rohstoffe früher oder später ganz zur Neige gehen werden — um die letzten Vorräte wurden bereits scheinheilige Kriege geführt. Doch spätestens, wenn die natürlichen Ressourcen komplett erschöpft sind, wird auch der Großteil der heutigen Infrastruktur unwiederbringlich verschwinden. Denn unsere Welt ist in ihren Grundfesten noch immer auf der Ausbeutung fossiler Ressourcen aufgebaut — ganze Industrien werden sich also umstellen oder eben eingehen müssen. Doch was machen die „Volksvertreter" auf der internationalen politischen Bühne? Sie diskutieren. Das Fiasko von Kopenhagen ist symptomatisch für den Zustand unserer heutigen Welt: Im Dezember 2009 versammelten sich Regierungsführer aus 192 Ländern in der dänischen Hauptstadt, um ganz konkrete Maßnahmen gegen die globale Klima-Erwärmung zu beschließen — jener dramatischen Spätfolge der fossilen Energiewirtschaft, auf der das nun zu Ende gehende Industriezeitalter gründete. Es war bereits die 15. Konferenz der „Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen" und es war vorgesehen, dass man sich in Kopenhagen nun endlich auf ein verbindliches Regelwerk für den Klimaschutz nach 2012 einigen müsse.

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Soweit die Theorie. Sie spräche dafür, dass wir tatsächlich bereits auf dem Weg zu einem Weltbewusstsein sind, denn wir erkennen die Gefahr für unseren Planeten und wollen etwas dagegen tun.
Schließlich geht es um unser aller Leben, denn unser Lebensraum ist alles, was wir haben. Es handelt sich dabei um die im kosmischen Maßstab winzige Biosphäre, diese gerade mal 60 Kilometer zwischen Meeresgrund und Weltall, die uns alles bieten, was wir zum Leben brauchen. Noch.
Wie aber lässt sich eine solche Erkenntnis mit dem noch immer gültigen obersten Prinzip der internationalen Marktwirtschaft, der Maximierung des Gewinns, vereinbaren? Richtig: Gar nicht. Und so eskalierte auf der Kopenhagener Klima-Konferenz dann auch der Konflikt zwischen den reichen Industrienationen und den sogenannten „Entwicklungsländern". Boliviens Präsident Evo Morales verlangte beispielsweise (und gar nicht zu unrecht), dass die Industriestaaten gegenüber den Ländern des Südens eine „Klimaschuld" zu begleichen hätten und forderte die Einrichtung eines internationalen Gerichtshofs für Klimarecht. Venezuelas Präsident Hugo Chävez wies im gleichen Tenor darauf hin, dass es vor allem die reichen Staaten seien, die dabei sind, unseren Planeten zu zerstören. 7 Prozent der Weltbevölkerung seien für 50 Prozent der Abgase verantwortlich, während die 50 Prozent am unteren Ende der sozialen Skala nur rund 7 Prozent der Emissionen verursachen. Auch zum Klimastreit zwischen den USA und China bezog Chävez Stellung und wies erneut anhand statistischer Daten auf die Ungleichheit der Schuld an der Klimaerwärmung hin, indem er erklärte, dass die USA mit ihren gerade mal 300 Millionen Einwohnern nur ein Fünftel der chinesischen Bevölkerung darstellt und dennoch ca. 20 Millionen Barrel Erdöl pro Tag verbraucht, wogegen China (mit 5 mal so vielen Einwohnern) mit ca. fünf Millionen Barrel am Tag auskommt. Nicht ganz zu Unrecht werfen die Chinesen den USA vor, mit zweierlei Maß zu messen, denn man darf auch nicht vergessen, dass die modernen Industrienationen in ihrer Anfangszeit keinerlei Klimaschutzbedingungen einzuhalten hatten und dies auch nicht taten — doch nun sollen die jungen, aufstrebenden Industrienationen wie China oder Indien genau dazu international verpflichtet werden. Ohne Abstriche. Das ist dann allerdings schwer umzusetzen, wenn nicht einmal die selbsternannte Weltmacht USA bereit ist, die überaus notwendigen internationalen Klimaschutzbedingungen zu erfüllen — schließlich würde so was nur Geld kosten. Und derartiges wird lieber vermieden, denn es geht doch nur um das Eine: Ums Geld verdienen.
Und so gelang es den Delegierten der Kopenhagener Klima-Konferenz lediglich, sich auf einen sogenannten „Minimalkonsens" zu einigen. In einem „zur Kenntnis genommenen" und völlig unverbindlichen politischen Papier ist zwar das Etappen-Ziel erwähnt, die Erderwärmung auf weniger als 2°C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen — wie dieses Ziel aber ganz konkret erreicht werden soll, wurde dagegen nicht festgehalten. Die Idee ist abgenickt, nur die Umsetzung steht in den Sternen und damit auch das Schicksal der Menschheit. Im übrigen entsprach der CO2-Ausstoß der ca. 150 Millionen Euro teuren Konferenz in etwa dem, was die britische Großstadt Middlesbrough im gleichen Zeitraum in die Atmosphäre entließ: 40.000 Tonnen CO2.
In gewisser Weise hat die Kopenhagener Klima-Konferenz ganz deutlich aufgezeigt, was auf unserem Planeten passiert. Wir beginnen zu begreifen, dass wir etwas ändern müssen, doch wir sind nicht bereit, unsere Einstellung zum Profitstreben zu ändern. Werden wir uns erst als eine globale Gemeinschaft verstehen, wenn wir alle schon unmittelbar von den Folgen unserer Klimasünden heimgesucht werden? Also, wenn es zu spät ist? Bisher waren unsere halbherzigen Versuche, im Interesse unseres Planeten zu kooperieren von keinerlei Erfolg gekrönt. Dabei gibt es die Umweltbewegung schon seit den 80er Jahren - wir hatten also genug Zeit, uns an die Idee zu gewöh-nen, dass wir ein wenig auf unseren Planeten acht geben sollten, wenn wir ihn auch unseren Kindern in lebenswerter Form hinterlassen möchten. Können oder wollen wir das nicht begreifen? Hängen wir noch immer jenem Bild der menschlichen Natur nach, welches die Philosophen der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert erschufen?
Zur jener Zeit war es ein sehr fortschrittliches Menschenbild, das da unsere Vorfahren in die Morgendämmerung des modernen Kapitalismus und in die Gesellschaft von Nationalstaaten führte. Die Aufklärungsdenker räumten damals mit der mittelalterlichen Vorstellung auf, dass der Mensch ein schuldiges, gefallenes Wesen sei und Erlösung nur durch Gottes Gnade im Jenseits erlangen könne. Den damaligen Machthabern gefiel diese Vorstellung — schließlich hatten sie von der Unwissenheit der Massen schon lange profitiert (auch damals war Gewinnmaximierung schon etwas ungeheuer Wichtiges — auch wenn man es noch nicht so nannte). Mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gingen sie daher gegen die „Freidenker" vor, doch die Weiterentwicklung der menschlichen Rasse konnten sie nicht dauerhaft aufhalten. Gegen alle Widerstände setzten die Aufklärer ein ganz neues Menschenbild durch, welches von Willensfreiheit, Vernunft, Individualismus, Schöpferkraft und Eigennutz geprägt war. Wenn der Mensch schon nach Erlösung suchen wolle, dann bitte schön nicht im Jenseits, sondern hier und jetzt.

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Soweit so gut, man hatte vielleicht nur die menschliche Gier unterschätzt und die Kraft des unbeschränkten Eigennutzes. Schließlich galt es, nun die irdischen Lebensverhältnisse immer weiter zu verbessern. Diese Parole schrieben sich dann auch die modernen Nationalstaaten auf ihre Fahnen. Die Daseinsberechtigung des Gemeinschaftswesens „Staat" lag im Schutz des privaten Eigentums und in der Förderung einer freien Marktwirtschaft. Sinn und Zweck dieser freien Marktwirtschaft war der Gedanke, dass miteinander konkurrierende Unternehmen immer daran interessiert wären, ein noch besseres oder noch günstigeres Produkt herzustellen, was der Bevölkerung zugute käme, die nun quasi mit dem Geldbeutel über die Qualität richten würde - in einer Zeit ohne riesige Marketingbudgets und irreführender Werbung, schien das tatsächlich eine gute Idee zu sein. Doch der Nationalstaat hatte sich nicht nur um die Bürger im eigenen Land zu kümmern, sondern auch die Interessen seines Volkes auf der internationalen Bühne durchzusetzen. Dazu gehörte im anbrechenden Industriezeitalter natürlich auch, mit den anderen Nationen um den besten Zugang zu natürlichen Rohstoffen zu konkurrieren - dabei gab und gibt es „natürlich" auch den einen oder anderen Krieg, der ja häufig als „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" definiert wird. Sollte unser heutiges Bild von der menschlichen Natur tatsächlich einer unabänderlichen Wahrheit entsprechen — dann werden wir zweifelsfrei aussterben. Wie sollten wir auch eine auf Nachhaltigkeit zielende globale Wirtschaft errichten und die Biosphäre regenerieren, wenn wir doch alle bloß Egoisten sind, die nur auf kurzfristigen Eigennutz zielen? Wie heißt es doch so schön: Nach uns die Sintflut.
Aber es gibt auch noch Hoffnung: Das belegen neue Erkenntnisse der Neurowissenschaft und der Entwicklungspsychologie, die das Menschenbild der Aufklärung in Frage stellen. Biologen und Kognitionswissenschaftler haben Spiegelneurone — sogenannte Empathie-Neurone — entdeckt, die es Menschen und anderen Lebewesen erlauben, sich in die Situation eines anderen Wesens hineinzuversetzen. Da der Mensch von allen irdischen Lebewesen das sozialste ist, liegt die Suche nach Gemeinschaft und Austausch ganz tief im Wesen seiner Natur. Sozialwissenschaftler haben nun begonnen, die Geschichte der Menschheit unter dem Aspekt der Empathie neu zu betrachten. Dabei hat sich gezeigt, dass die Evolution unserer Art eben nicht nur vom Willen zur wachsenden Naturbeherrschung getrieben wurde, sondern auch von der wachsenden Empathie mit anderen über immer größere zeitliche und räumliche Entfernungen hinweg.
Die Geschichte der Menschheit ist bislang immer dann an einschneidende Wendepunkte gelangt, wenn neue Arten der Energiegewinnung auf neue Kommunikationsformen trafen — denn daraus können neue, modernere Wirtschaftssysteme entstehen. Mit den immer komplexeren Formen der Kommunikation wurde es schließlich möglich, jene komplexeren Formen der Zivilisation zu regieren und zu verwalten. So ermöglichte erst die Technik des Buchdrucks die Organisation der auf Kohle, Dampf und Eisenbahn gegründeten Ersten Industriellen Revolution — es ist unmöglich, sich eine Indus-trialisierung mit Pergamentrolle und Federkiel vorzustellen. Doch wenn plötzlich alles zusammen passt, kommt es zur Kommunikationsrevolutionen.
Die frühen Jäger-und-Sammler-Gesellschaften gründeten ihren sozialen Verbund ausschließlich auf oraler Kommunikation, sie konnten sich verständigen, doch die Welt noch nicht erklären und alle besaßen ein sehr mysthisch geprägtes Bewusstsein. Die daraus entstandenen Ackerbau- und Viehzucht-Gesellschaften wurden sesshaft und organisierten sich im wesentlichen um die schriftliche Kommunikation, die Wissen plötzlich konservierbar und übertragbar machte. Die ersten großen Erfindungen der Menschheit hätte es ohne Federkiel und Pergamentrolle sicher nicht gegeben — oder man hätte zumindest nie etwas davon erfahren. Doch mit dem Wissen kam die Macht und mit der Macht die Religion. Plötzlich wurde an ganz spezielle Götter geglaubt und nach ganz bestimmten Lehren gelebt — die Religion war ein überaus erfolgreiches Konzept, was aus dem Wunsch der Menschen nach einem gerechten und allwissenden Gott resultierte und der Tatsache, dass man einfach noch zu wenig über Naturwissenschaften und Wetter wusste. Blitz und Donner waren Gottes Sprache und das Konzept ging auch für die Regierenden auf: das einfach Volk wurde auf ein paradiesisches Jenseits vertröstet und knuffte im Diesseits unterwürfig und voller Demut. Selbst menschliche Ethik-Ausfälle wie die Inquisition konnten den Glauben nicht nachhaltig erschüttern. Das schafften erst besagte Aufklärer, mit ihrem neuen Menschenbild — natürlich ohne den tief sitzenden Gottesglauben ganz abzulegen. Er wurde nur transformiert, in Deutschland beispielsweise schien später fast ein ganzes Volk an einen Führer zu glauben.
Die Industrielle Revolution des späten 18. und 19. Jahrhunderts gründete auf gedruckter Kommunikation, überhaupt war durch den Buchdruck mächtig was ins Rollen gekommen. Wissen war plötzlich kein Privileg der Reichen und Mächtigen mehr, was sich auch in einem nun sehr ideologisch geprägten Bewusstsein widerspiegelte. Die Religion wurde immer zweitrangiger, es hing nun davon ab, welcher Ideologie man anhängig war: Die noch gar nicht so mächtigen USA, die aber schon immer von sich und ihrer herrlichen (Wirtscharts) Freiheit überzeugt waren, es gab die Kommunisten mit ihrer (in der Theorie gar nicht so unempathischen) Wunschvorstellung von einer besseren Zukunft und es gab den Faschismus, der den Über - über den Untermenschen zu setzen versuchte und dabei nur das Schlech-teste im Menschen hervorbrachte.
Viele Ideologien sah und sieht das Industriezeitalter, an dessen Ende wir heute stehen. Der erste Treibstoff der Industrialisierung war die Kohle, die in ihrer Bedeutung bald vom „schwarzen Gold" überholt wurde. Mit dem Erdölprodukt Benzin konnten plötzlich Explosionsmotoren angetrieben werden und auch die Elektrizität wurde immer effektiver genutzt, was zu neuen Kommunikationsformen (erst Telegraph, dann Telefon) führte. Im 20. Jahrhundert wurde dann das Radio, Fernsehen und Internet erfunden und erfolgreich zu Kommunikationsmitteln der Massen weiterentwickelt. Die digitale Revolution zum Ende des 20. Jahrhunderts veränderte alles. Die durch die Erfindung des Mikrochips ausgelöste neue Kommunikationsrevolution ermöglichte eine Abkehr von analogen elektronischen Schaltungen hin zu verallgemeinerten digitalen Algorithmen — oder kurz gesagt: Software statt Lötkolben. Und auch hier ging es sogleich mit Riesenschritten voran: Nano-Technik, Gen-Technik & Bio-Engineering wären ohne Mikrochips völlig undenkbar. Wir sind bereits mitten im Übergang in die Phase unserer zivilisatorischen Entwicklung, die manche "Informationsgesellschaft", andere "Dienstleistungsgesellschaft" und wieder andere "Tertiäre Zivilisation" nennen.
Charakteristisch dafür ist die starke Zunahme des Dienstleistungssektors und der Freizeitindustrie am Bruttosozialprodukt. Tatsächlich gab es noch nie zuvor so viel neue Musik, ständig neue Filme und Computerspiele, Partys und Konzerte — die boomenden Branchen Luxus-Artikel und Tourismus nicht zu vergessen.
Wie gesagt: die führenden Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler sehen es mittlerweile als Tatsache an, dass komplexere Kommunikationsformen auch zu komplexeren sozialen Strukturen führen. Und was kann noch komplexer als das Internet oder moderne Handys sein? Würden wir heute überhaupt noch in einer Gesellschaft klarkommen, in der die Menschen nur persönlich miteinander sprechen? Schließlich unterliegt die orale Kommunikation starken zeitlichen und räumlichen Beschränkungen. Erst in der von Pergament und Religion geprägten Ackerbau- und Viehzucht-Gesellschaft weiteten sich die empathischen Gefühle von den Stammesverwandten auf sämtliche Mitglieder der eigenen Religion aus. Juden fühlten emphatisch mit anderen Juden, Christen mit Christen, Moslems mit Moslems und so weiter — das ist auch heute noch häufig so. Während der Ersten Industriellen Revolution, geprägt durch Drucktechnik und Ideologien, weitete sich das empathische Empfinden dann auch auf die verschiedenen nationale Gemeinschaften aus: Deutsche fühlten empathisch mit Deutschen, Amerikaner mit Amerikanern, Japaner mit Japanern usw — auch das ist heute noch so. Doch seit der Digitalen Revolution begannen und beginnen sich irdische Individuen (unabhängig von Religion und Staatsangehörigkeit) mit all jenen zu identifizieren, in denen sie Gleichgesinnte im Geiste erkannten bzw. erkennen - dabei könnte sich die empathische Sensibilität auch auf die Biosphäre und das gesamte Leben auf der Erde ausdehnen. Wenn das weltumspannende, dezentrierte Internet auf dezentrierte Systeme nachhaltiger Energiegewinnung stößt, dann kann daraus eine nachhaltige, postfossile Ökonomie entstehen, die gleichermaßen global vernetzt und lokal organisierbar ist. Ganz offen und frei zugänglich nach dem „Open-Source-Model".
Das aus der Software-Entwicklung stammende Model erlaubt nicht nur die kostenlose Nutzung und Verbreitung von Software, sondern erlaubt auch die lizenzfreie Weiterentwicklung der Programme - insofern bietet sich Open-Source-Software ganz besonders zum Lernen, Mitmachen und Verbessern an. Inzwischen beschränkt sich der Begriff Open Source aber nicht mehr nur auf Software, sondern wird auch auf Wissen und Information ausgedehnt - Beispiele dafür sind OpenCola und Wikipedia. Immer öfter wird die Idee des öffentlichen und freien Zugangs zu Information auch für Entwicklungsprojekte angewandt — dabei wird oft von freier Hardware (open hardware) gesprochen, obwohl es sich dabei ja nicht tatsächlich um einen freien Zugang zu physischer Hardware handelt, sondern „nur" um den freien Zugang zu allen nötigen Informationen, die es braucht, um die entsprechende Hardware selber herzustellen. Und weil erneuerbare Energien mehr oder weniger gleichmäßig über den gesamten Weltball verteilt sind, ist jede Region potenziell durchaus in der Lage, sich selbst mit der nötigen Energie zu versorgen — während man sich gleichzeitig mit Hilfe intelligenter Netzwerke über Kontinente hinweg mit anderen Regionen und Menschen verbindet.
Wenn wir noch rechtzeitig die Kurve kriegen, werden Millionen Menschen im weiteren Verlauf des 21. Jahrhunderts ihre Wohnhäuser zu kleinen Kraftwerken umformen, sie werden regenerative Energie gewinnen, speichern und überschüssige Elektrizität durch lokale, regionale, nationale und kontinentalen Netzwerken mit anderen Menschen teilen. Wenn jede Familie und jeder Betrieb die Verantwortung für seinen kleinen Teil der Biosphäre übernimmt und die selbsterzeugte Energie mit Millionen anderer Menschen über intelligente, interkontinentale Energienetzwerke teilt, dann werden wir alle auf einer ganz elementaren Ebene der Lebenserhaltung vernetzt sein. Und wir scheinen tatsächlich bereits auf dem Weg zu sein: Die Europäische Union ist die erste kontinentale Regierungsinstitution der neuen Ära und sie hat bereits damit begonnen, die Infrastruktur für ein europaweites System zur Energie-Erzeugung und Verteilung zu schaffen, das bis zur Mitte dieses Jahrhunderts von der Irischen See bis an die russische Grenze reichen soll. Auch in Asien, Afrika und Lateinamerika entstehen ähnliche kontinentale Gemeinschaftsgebilde, aus denen sich bis zum Jahr 2050 die wesentlichen Regierungsinstitutionen entwickeln werden.
Wenn wir uns nun auch noch die angeborene Gabe der Empathie zunutze machen, um eine neue globale Ethik zu entwickeln — dann können wir das alte, von Vereinzelung und Eigennutz geprägte Menschenbild ebenso überwinden wie das Zeitalter der nationalen Markt- und Regierungssysteme. Denn wir befinden uns bereits mitten im Übergang zum Biosphären-Bewusstsein. Auf der ganzen Welt hat eine junge Generation zu verstehen begonnen, dass ihr täglicher Verbrauch von Energie und anderen Ressourcen unmittelbare Auswirkungen auf das Leben jedes anderen Menschen und jedes anderen Erdbewohners besitzt. Die junge Generation überwindet die Grenzen religiöser und nationalstaatlicher Gemeinschaften und identifiziert sich mit der Menschheit und dem irdischen Leben im ganzen. Wenn inzwischen schon so viele Musiker und Künstler, ja selbst kommerzielle Blockbuster wie „2012" im Subtext ein globales Erwachen fordern, dann könnte der „Krieg um die Köpfe" vielleicht doch noch gewonnen und die Erde gerettet werden.
Die Frage ist: Wird unser (Um)Weltbewusstsein schnell genug wachsen, um jene Bedrohung abzuwenden, die noch aus dem Zeitalter der fossilen Energiegewinnung stammt? Schließlich schwingt über unserem Haupt bereits das Damoklesschwert des Klimakollaps — Überschwemmungen und Stürme, Öl-Katastrophen und Ozonschichtauflösung. Werden wir den Zustand der globalen Empathie und des Biosphären-Bewusstseins noch rechtzeitig erlangen, um die Zerstörung unseres Planeten und die Auslöschung der Menschheit abzuwenden und umzukehren?
Die Antwort ist: Ja - aber nur, wenn die Mehrheit der Menschheit auch mitmacht.